Juli Zeh

Unterleuten

Juli Zeh Unterleuten

Juli Zeh
Foto: Heike Huslage-Koch / Creative Commons

"In meiner Generation hat sich eine Ermüdung breitgemacht: Sie will nicht mehr teilhaben, eine gruselige Entwicklung. Man möchte sich zurückziehen, aus der Stadt, aus der Politik, aus Verpflichtungen und Informationsüberfluss. Die Menschen lesen heute die "Landlust", wie sie im 19. Jahrhundert Liebesromane gelesen haben, als freie Liebe nicht möglich war. Man sucht nach Heimat und einem Ruheort, während man Trockensträuße auf dem Kaminsims neu arrangiert."

(im Interview mit Nina May, HAZ)

Juli Zeh Unter Leuten

Über das Buch

"Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf Unterleuten irgendwo in Brandenburg (...) Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern." (Klappentext)

 

"Zeh hat in ihren Roman alles hineingepackt, was unsere Gesellschaft aktuell bewegt: die Klimakatastrophe und das Internet, Energiewende und Fremdenfeindlichkeit, den Drang zum Individualismus und die damit einhergehende Tendenz der Entsolidarisierung, Stadtflucht und Dorfverklärung, Ost und West, Stasi und Bodenspekulation, Literatur und Realität, Netzwerken und Pferdeflüstern, Whistleblowing und Verrat. Manchmal will einem scheinen, dass das alles ein bisschen zu viel des Guten ist, weniger vielleicht mehr wäre. Muss es denn wirklich so blutig symbolgeladen enden? Doch dann reißen eine wunderbare Szene, ein exakt auf den Punkt gebrachter Dialog oder die ausgeprägte Fähigkeit der Autorin, aus ihren Figuren heraus die Welt zu sehen und auf deren Herausforderungen gedanklich zu reagieren, das Ganze wieder heraus. Und man kommt zu dem Schluss: Wenn der große Gesellschaftsroman mit seinem Hang zu traditionellen Erzählweisen überhaupt noch unserer Zeit angemessen sein soll, dann nur so, wie Zeh ihn hier handhabt." (Dietmar Jacobsen, literaturkritik.de)