Ralph Rothmann

Im Frühling sterben

Ralf Rothmann Im Frühling sterben

Ralf Rothmann
Foto © Heike Steinweg/Suhrkamp Verlag

 

 

 

 

 

 

"...eine Sehnsucht hat doch jeder: Dass das, was Wirklichkeit ist, nicht die alleingültige Wahrheit ist. Ein bisschen Metaphysik schleppt jeder mit sich herum." 

(Ralf Rothmann in einem Interview mit der WELT, 22.6.2015)


Über das Buch

 

" »Sprach ich meinen Vater in der Kindheit auf sein starkes Haar an, sagte er, das komme vom Krieg; man habe sich täglich frischen Birkensaft in die Kopfhaut gerieben. Ich fragte nicht weiter nach, hätte wohl auch, wie so oft, wenn es um die Zeit ging, keine genauere Antwort bekommen. Die stellte sich erst ein, als ich Jahrzehnte später Fotos von Soldatengräbern in der Hand hielt und sah, dass viele Kreuze hinter der Front aus jungen Birkenstämmen gemacht waren.«

Im Frühling sterben ist die Geschichte von Walter Urban und Friedrich – »Fiete« – Caroli, zwei siebzehnjährigen Melkern aus Norddeutschland, die im Februar 1945 zwangsrekrutiert werden. Während man den einen als Fahrer in der Versorgungseinheit der Waffen-SS einsetzt, muss der andere, Fiete, an die Front. Er desertiert, wird gefasst und zum Tod verurteilt, und Walter, dessen zynischer Vorgesetzter nicht mit sich redenlässt steht plötzlich mit dem Karabiner im Anschlag vor seinem besten Freund ...

In eindringlichen Bildern erzählt Ralf Rothmann vom letzten Kriegsfrühjahr in Ungarn, in dem die deutschen Offiziere ihren Männern Handgranaten in die Hacken werfen, damit sie noch angreifen, und die Soldaten in der Etappe verzweifelte Orgien im Angesicht des Todes feiern. Und wir erleben die ersten Wochen eines Friedens, in dem einer wie Walter nie mehr heimisch wird..." (Klappentext © Suhrkamp)

 

"Die Rahmenhandlung sieht gleich am Anfang Walter vor Angst röchelnd auf dem Sterbebett und am Ende Walters Sohn, den Ich-Erzähler, auf dem Friedhof. Von dort aus kann er die Zeche des Vaters sehen, der zum hart arbeitenden Malocher wurde, der nie viel erzählte, aber den Krieg nie vergaß - ein deutsches Schicksal.

Am stärksten ist Rothmanns achter Roman da, wo er von den Vätern und Söhnen erzählt, die gezwungenermaßen durch die Kriege, die Deutschland führte, miteinander verbunden sind. Es gibt, erklärt Fietes Vater, der im ersten Weltkrieg kämpfte, "ein Gedächtnis der Zellen in unserem Körper"; und "seelisch oder körperlich verwundet zu werden, macht was mit den Nachkommen". Es ist ein Erfahrungskontinuum, das durch die Männer fließt, es gibt keinen Damm, der es stoppen könnte." (Thomas Andre, Der Spiegel)