Gian Carlo Fusco

Die Unerwünschten


Gian Carlo Fusco
Foto: unbekannt / Radiocorriere

 

 

 

"Eines Abends kam es in seinem bevorzugten Nachtlokal (...) zu einer gefährlichen Begegnung mit dem aufstrebenden Mailänder Boss Francis Turatello, genannt faccia d' angelo (Engelsgesicht), auf dessen Abschussliste Fusco gelandet war, weil er angeblich Informationen weitergegeben hatte. Große Spannung lag in der Luft. Der Boss saß umringt von Unterhaltungsdamen in einer Sofaecke. Fusco ging hin, zog sein Gebiss heraus und ließ es in Turatellos Whisky fallen. Der schoss in die Höhe, die Mädchen sprangen kreischend beiseite, aber das Engelsgesicht rief: »Freundchen, Du bist ganz schön mutig«, und umarmte ihn. (...)

   Sein Herz schlug stets für die gesellschaftlich Benachteiligten, und obwohl er wegen »unmoralischem Benehmen« aus der Partei geflogen war, blieb er sein Leben lang Kommunist." (aus dem Nachwort von Adrian Giacomelli)

 

 

 

 

 

Gian Carlo Fusco, 

geboren 1915 in La Spezia, gestorben 1984 in Rom.

Journalist, Schriftsteller, eifriger Chronist der italienischen Zeitgeschichte und gelegentlich Schauspieler.

Gian Carlo Fusco Die Unerwünschten

Über das Buch

"Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, gingen die amerikanischenSieer daran, ein altes Problem zu lösen: Was tun mit den Italienern, die die USA in eine blühende Landschaft des organisierten Verbrechens verwandelt hatten? Die Lösung bekamen viele Gangster zu spüren, als sie 1945 aus dem Gefängnis direkt in ihre alte Heimat Italien zurück verfrachtet wurden. Hier nahm man sie nicht mit offenen Armen auf. Legenden wie Lucky Luciano, gewohnt in Saus und Braus zu leben, landeten auf einer dürren Insel oder in beengten und überwachten Verhältnissen der Provinz. Gian Carlo Fusco (...) hat ihre Geschichten aufgeschrieben. Ein ebenso merkwürdiges wie bitteres Kapitel, das nebenbei die Repatriierung der Mafia einleitete." (Klappentext)

 

"Gian Carlo Fusco, den man wegen seiner investigativen Arbeit zum Thema den „Philologen des Verbrechens“ nannte, kannte und mochte das „malavita“ der Halbwelt, der schrägen Typen, der Barflies, Nachteulen und Huren. Er stand auf der Seite der Ausgestoßenen und Außenseiter, mit richtigen Gangstern legte er sich auch persönlich unter Gefahr für Leib und Leben an. Große Sympathien für die „Unerwünschten“ hat er nicht. Aber er betrachtet sie genau und und formt so ihre Geschichten zu wunderbaren, kleinen Prosaminiaturen (...)" (Thomas Wörtche, Der Freitag)